Der
DMK-Berlin e.V. bekundet den Angehörigen, der am 01.Juli 2009 getöteten
Marwa El-Sherbini ihre aufrichtige Anteilnahme und wünscht Familie und
Freunden des Opfers viel Standhaftigkeit und Geduld.

Mit großer Besorgnis verfolgen wir den medialen als auch politischen
Umgang mit der Ermordung von Marwa El-Sherbini. Die Worte „Islamistin“
und „Terroristin“, die der Angeklagte von sich gegeben hatte, als auch
die kaltblütige Ermordung der Muslima waren Ausdruck islamfeindlichen
Handelns. Darauf sollte keinesfalls mit Hysterie und Panik reagiert
werden. Auch Rufe nach Rache und Vergeltung sind keineswegs der
angemessene Weg, und man sollte sich davor hüten alle Deutschen
pauschal über einen Kamm zu scheren. Islamophobie, die in diesem Fall
besonders deutlich zutage getreten ist, ist aber ein Problem, das
tendenziell immer stärker das gesellschaftliche Klima beeinflusst.
Gerade deshalb wäre eine klare und zügige Stellungnahme von politischer
und medialer Seite sehr wünschenswert und wichtig gewesen, um ein
deutliches Signal gegen Islamophobie zu setzen. Bedauernswerterweise
haben sich die Medien erst sehr spät zu dem islamfeindlichen Ereignis
geäußert, auf den Titelseiten und in den Nachrichten ist nach wie vor
keine Spur davon.
Der DMK wünscht sich, dass dieser traurige Vorfall die Sensibilität und
das Bewusstsein der Öffentlichkeit gesteigert hat und diese sieht, dass
Islamophobie - auch wenn es sich hier um einen einzelnen, besonders
dramatischen Fall handelt – auch in Deutschland ein ernsthaftes Problem
ist, das aktiv und miteinander angegangen werden muss. Besonders
bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die Anteilnahme vieler
Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland und ihr Einsatz in
dieser Sache.
Hintergrund: Am 01. Juli 2009 wurde die Ägypterin und
Muslima Marwa El-Sherbini (31) in einem Dresdener Gerichtssaal von
einem 28-jährigen Russlanddeutschen getötet. Den hatte sie zuvor
verklagt, da er sie letztes Jahr mit „Islamistin“, Terroristin“ und
„Schlampe“ beschimpft hatte, nachdem sie ihn gebeten hatte die Schaukel
für ihren kleinen Sohn freizugeben. Erst wurden dem Täter vor einigen
Wochen 780€ Strafe aufgebrummt. Dies hielt die Staatsanwaltschaft für
zu gering, da der Angeklagte keinerlei Reue zeigte. Am Mittwoch letzter
Woche begegneten sich Marwa El-Sherbini und Axel W. wieder im
Gerichtssaal. Als die im dritten Monate Schwangere nach ihrer Anhörung
den Saal verlassen wollte stach der Täter innerhalb einer halben Minute
18 Mal auf sie ein, und sie erlag kurz darauf ihren Verletzungen. Auch
ihr Mann wurde verletzt, als er sie schützen wollte. Ein kurz darauf
erschienener Polizist schoss ihm außerdem aus Versehen ins Bein, weil
er ihn für den Täter hielt. Auch der dreijährige Sohn des Opfers wurde
Zeuge der Tat.
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