Musiker im Islam - Musik im Zuge unserer Zeit

DÄNISCHE POPBAND OUTLANDISH
"Religion ist unsere Lebensform"

Die dänische HipHop-Gruppe Outlandish über ihren Nummer-Eins-Hit "Aicha", die Wichtigkeit religiöser Werte und das Selbstbewusstsein europäischer Immigranten. Outlandish (Lenny, 27, Isam, 25, und Waqas, 26) gehören zu den populärsten HipHop-Acts in Dänemark. Mit ihrer Cover-Version des Khaled-Hits "Aicha" ist ihnen ein europäischer Sommerhit gelungen.
Der zugehörige Videoclip propagiert die Rückkehr zu alten Werten, zu Religiosität und Familiensinn

SPIEGEL ONLINE: Mit dem Song "Aicha", einer Hymne auf die europäische Immigranten-Kultur, sind Sie in Deutschland auf Platz eins der Charts gelandet. Es sieht ganz so aus, als hätten Sie einen Nerv getroffen.

Waqas: Meine Familie stammt aus Pakistan, Isams Eltern sind aus Marokko, Lenny wurde in Honduras geboren. Wir alle sind Ausländer der zweiten Generation in Dänemark. Unsere Musik spiegelt unser Leben, den Alltag in den Ausländer-Stadtvierteln, die Werte, mit denen wir aufgewachsen sind. Unser kultureller Background ist die Quelle für unsere Inspiration, daraus kommt die Kraft.
Viele junge Deutsche, deren Eltern Türken oder Araber sind, können sich damit identifizieren. Wir haben in Deutschland in zwei Wochen 75.000 Platten verkauft - mehr als in Dänemark während unserer ganzen Karriere.

SPIEGEL ONLINE: Was unterscheidet Ihr Leben von dem anderer Jugendlicher in Europa?

Waqas: Zum Beispiel leben wir alle noch bei unseren Eltern und wollen da auch nicht weg. Das tut man bei uns nicht, die Familie bleibt immer zusammen. Ich würde meine Mutter nie alleine lassen, nicht länger auf Tour gehen oder zum Steuern sparen nach Spanien ziehen. Meine Frau und mein dreijähriger Sohn leben auch bei meinen Eltern. Isam: Es geht um die Werte, die man mit auf den Weg bekommt. Unser Album heißt "Bread And Barrels Of Water" - Brot und Wasser. Man muss die einfachen Dinge schätzen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist Ihnen dabei Ihre Religion?

Lenny: Waqas und Isam sind gläubige Muslime, sie beten fünf Mal am Tag. Ich bin katholisch und von klein auf mit meinen Eltern in die Kirche gegangen. Religion ist unsere Lebensform, die Art wie du dich als Person benimmst. Ich bin für jeden Tag, den ich lebe, dankbar. In Europa ist das für viele junge Leute inzwischen befremdlich, dabei leben Millionen Menschen ihre Religion so wie wir.

SPIEGEL ONLINE: Verträgt sich der strenge Glaube mit dem glamourösen Leben als HipHop-Star?

Waqas: Eigentlich schon. Aber als wir vor drei Jahren zu Dänemarks bestem HipHop-Act gekürt wurden, haben wir als Preis eine Statue bekommen, eine Art Playboy-Bunny mit großen Brüsten. Meiner Mutter war es peinlich, dass das Ding im Wohnzimmer stand, wo doch so viele Leute zum Gratulieren vorbeikamen. Sie hat der Statue dann ein kleines Kleid genäht und angezogen.

SPIEGEL ONLINE: Welt-Musik und Ethno-Pop, die sich mit HipHop und R&B vermischen, ist im Pop-Geschäft nichts Neues. Was ist das Besondere an Outlandish?

Lenny: Bislang gab es kaum Musik, die sich mit dem Leben der Immigranten in Europa auseinander gesetzt hat. Für uns ist HipHop die Möglichkeit, diesen Crossover der Kulturen, der hier passiert, ausdrücken. Aber uns hören ja nicht nur Immigranten, sondern alle Leute die Experimente mögen, die es schätzen, wenn man tiefer einsteigt als bei der oberflächlichen Musik, die man auf MTV sieht. Waqas: Es kommen oft Fans mit arabischen Wurzeln und sagen: Eure Musik hat meine Leben verändert. Seit ich Euch höre, nehme ich meine Kultur und Religion ernster, bin ich selbstbewusster. Das macht einen schon stolz.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt aber auch andere, die kritisieren, dass in dem Videoclip zu "Aicha" eine Männergesellschaft gezeigt wird, in der die Frauen unter sich bleiben und sich um die Kinder kümmern.

Isam: Das sind wahrscheinlich Leute, die meinen, dass es ein Beitrag zu Emanzipation ist, wenn Frauen in Musik-Clips als halbnackte Bikini-Hühner gezeigt werden. Große Schlitten und sexy Ladys, die um uns rumtanzen - das ist nicht unsere Realität. In unserem Video tragen die Frauen Schleier. Nicht um zu provozieren, sondern weil unsere Freundinnen, Schwestern und Mütter das nun mal auch tun.

Waqas: Der Witz ist doch, dass man jeden Tag auf der Straße verschleierte Frauen sieht, gerade auch hier in Berlin. Aber wenn das echte, pralle Leben auf einmal auf MTV läuft, sind die Leute verstört. Es irritiert sie, dass die Moros, wie wir Araber uns in Dänemark nennen, auf einmal einen Coolness-Faktor haben.

SPIEGEL ONLINE: Bilden die Medien die Realität der jungen, selbstbewussten Ausländer nicht genügend ab?

Isam: Im dänischen Fernsehen sind die Immigranten immer die Bösewichte, die Kriminellen. Dokumentationen zeigen nur Loser oder abschreckende Geschichten über arrangierte Ehen. Das verkauft. Wir wollten mit unserem Video Stellung dagegen beziehen - und hatten große Probleme, uns durchzusetzen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Isam: Der dänische Regisseur des Videos wollte in das "Aicha"-Video eine Szene einbauen, in der ein Mädchen mit Kopftuch von Nazis verprügelt wird. Wozu, haben wir ihn gefragt. Er sagte dann, er wolle dadurch den alltäglichen Rassismus zeigen - der hatte echt nichts verstanden: Der Song ist doch nicht über Rassismus sondern eine Art Hommage an die Immigranten-Kultur.

SPIEGEL ONLINE: Im Januar 2004 wird "Bread And Barrels Of Water" auch in den USA veröffenlicht. Wie schätzen Sie Ihre Chancen auf dem amerikanischen Markt ein?

Isam: Arabische Klänge im Radio, ein Song, der Fatima, der Tochter des Propheten Mohammed, gewidmet ist - vielleicht gibt es Leute, die so etwas nach dem 11. September 2001 nicht so gerne im Radio hören wollen. Aber darauf kann man keine Rücksicht nehmen. Es gibt ja auch texanische Musiker, die Country-Hymnen auf Georg W. Bush singen. Soll jeder auf seine Art glücklich werden.

SPIEGEL ONLINE: Ungewöhnlich, im HipHop werden doch Feindschaften oft genüsslich zelebriert. Gibt es niemanden, dem Sie gerne einmal die Meinung sagen wollen?

Isam: Diese übertriebenen Rivalitäten sind doch Quatsch. So lange die Leute authentisch sind und Seele in das hineinlegen, was sie tun, kommen wir mit allen gut klar. Wenn Leute wie DJ Bobo meinen, dass ihre Musik alles ist, was sie zum Leben zu sagen haben, ist das ihr Pech. Aber eigentlich ist solche Musik geistige Vergewaltigung von Kindern. Denen wird da das Geld mit Schwachsinn aus der Tasche gezogen.

Das Interview führte Ulrike Putz

__________________________________________________________


EVERLAST
(Abdul Jalil Erik Schrody)

Erik "Everlast" Schrody wird am 18. August 1969 auf Long Island, New Yorkgeboren,wächst aber im San Fernando Valley in Südkalifornien auf. Aufgezogenvon seiner geschiedenen Mutter, besucht er nur sporadisch die Taft - undCanoga Park High Schools. Sein musikalisches Bewusstsein wird Mitte der80´er von Run-DMC´s Debüt-Album entscheidend geprägt. Als Mitglied vonIce-T´s Rhyme Syndicate Posse veröffentlicht der 21-Jährige 1990 sein erstesAlbum "Forever Everlasting" Dem amerikanischen Magazin "Spin" gestehtEVERLAST heute:" Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass das Album floppte. Ichhätte Vanilla Ice sein können. Das wäre dann das Ende gewesen."

Tatsächlich hat alles erst begonnen: EVERLAST trennt sich von seinerPlattenfirma und gründet mit seinen Freunden Danny "Danny Boy" O´Connor undLeor "DJ Lethal" Dimant die HipHop-Band "House Of Pain".1992 erlangt HOP´s feuriges Gebräu irisch-amerikanischen HipHops mit demgleichnamigen Debüt-Album und der Single "Jump Around" Platinstatus. ZweiJahre später erreicht "Same As It Ever Was" Gold. 1996 ist dann Schluss mitHouse Of Pain. EVERLAST verlässt die Band am Erscheinungstag ihres drittenLongplayers "Truth Crushed To Earth Shall Rise Again."

Nach der Trennung von House Of Pain folgen für Erik Schrody zwei harte Jahrein denen der 28 jährige zum Glauben an einen Schöpfer findet. 1997konvertiert EVERLAST zum Islam, Alhamdulillah. Seine Karriere, kostetEVERLAST aber fast das Leben:Am letzten Aufnahmetag zu "Whitey Ford sings the blues" wird er mit einergerissenen Aorta ins Krankenhaus eingeliefert. Ein angeborener Herzfehler,die wilden Jahre mit House Of Pain und die Anstrengung der Produktion desneuen Albums zollen ihren Tribut. Heute tickt eine künstliche Herzklappehinter der tätowierten Brust.
Trotz seines Zusammenbruchs zieht EVERLAST kurze Zeit später los, sein neuesAlbum zu promoten. Monatelange Tourneen, unter anderem mit Santana, folgen."Das war wie Rehabilitation für mich. Es lenkte mich von der Misere ab undermöglichte meinem Körper die Heilung". EVERLAST schaut mit Stolz zurück aufsein gefeiertes Solo Album und den Grammy nominierten Smash-Hit "What IsLike": "Vor "Whitey Ford Sings The Blues" wusste ich nicht einmal, dass ichSongschreiberfähigkeiten besitze. Dann hatte ich aber eine lange Zeit, ummit meiner Band zu arbeiten. Und zu lernen, wie man Dinge einfach hält." DerErfolg gibt dem 31-Jährigen Recht: "Whitey Ford..." wurde in den USA dreimalmit Platin ausgezeichnet.

1999 veröffentlicht EVERLAST sein drittes Soloprojekt, die Five-Track EP"Today" (in Europa aufgestockt mit Liveaufnahmen auf 8 Tracks). DasMini-Album enthält nicht nur den Hit "Put Your Lights On";, sondern aucheine bestechende Liveversion des John Lee Hooker Klassikers "Blues ForXmas". Das Jahr 2000 scheint ein besonderes Jahr für EVERLAST zu werden:"Put Your Lights On", geschrieben und gesungen von EVERLAST für SantanasAlbum "Supernatural", gewinnt den diesjährigen Grammy für die beste RockPerformance als Duo oder Gruppe. Sein drittes Album "Eat At Whitey´s"; istim Oktober erschienen und verspricht erneut, an den vorangegangenen Erfolgenanzuschließen.


Das folgende Interview mit dem 28 jährigen Everlast aka Erik Schrody,ehemals "House Of Pain", handelt von seiner Konvertierung 1996 zum Islam. Eswurde von AbdulKadir Toraman von der "Osmansischen Herberge", einermuslimischen Einrichtung, am 17.03.01 im E-Werk in Köln geführt:

Assalamu aleikum Eric,Im Namen des "Vereins für neue deutsche Muslime e.V." (Osmanische Herberge)und aller Brüder und Schwestern heissen wir Dich in Deutschland willkommen.Zunächst ein herzliches Dankeschön für die Einladung zum Gespräch und dieGelegenheit, Dich heute in Köln live auf der Bühne erleben zu können.Va aleikum Salaam, ich freue mich sehr über Euer Kommen.
Wie oder durch wen hast Du den Islam kennengelernt ?


Ich stamme aus einem katholischen Elternhaus und hatte über 10 Jahre hinwegKontakt zu einer muslimischen Familie namens Bashir. Was mich besondersbeeindruckt hat, war die Tatsache, dass man niemals versucht hat, mich vomIslam zu überzeugen. Es gab keinen irgendwie gearteten Versuch, mich zumissionieren. Die Art und Weise des Zusammenlebens dieser Familie wareinfach beispielhaft.Den Glauben an einen Schöpfer hatte ich bereits und mit der Zeitinteressierte mich die Religion dieser Familie und ich begann Fragen zustellen, die mir auch beantwortet wurden. Erst danach wurde mir bewusst,dass der Islam eine Religion ist, die auch Jesus akzeptiert und respektiert,aber nicht als einen Gott, sondern als einen Propheteten aus Fleisch undBlut.Ebenso fand ich im Islam einen allumfassenden Glauben, der alle Religionenund Propheten in sich vereint. Die Worte und das beispielhafte Leben desheiligen Propheten Muhammad sind ein direkter Weg zu Gott und die Verbindungzur Wahrheit."Islam is like gas in the car"

Wie kannst Du als ein Entertainer des internationalen Showbiz, der aufvielen grossen Bühnen dieser Welt zu Hause ist und mit vielen anderenweltberühmten Musikern zusammenarbeitet, trotzdem Deinen Islamrealisieren (fünf Säulen des Islam)?


Meine Shahada habe ich 1996 gesprochen"Ramadan is easy for me" aber wie es im Sommer sein wird, wenn die Tage sehrlang sind, weiss ich natürlich noch nicht (lächeln).Zakat ? "Zakat is easy". Allah gibt mir soviel. Ich schicke es dann denJungs zuhause in der Moschee und sie können damit tun, was sie für richtighalten.Am Anfang habe ich einmal am Tag gebetet, dann wurden es zwei Gebete, danndrei und nun ist es mir zur lieben Gewohnheit geworden, die fünf Gebete zuverrichten. Darüber hinaus bete ich natürlich auch zu besonderen Anlässenund versäumte Gebete hole ich am Abend nach. Und nun bin ich sehr gespanntdarauf, wann es mir mögich sein wird, zur Hadj zu fahren um das Haus Allahszu besuchen.Allerdings bedarf es vieler Jahre, um die Disziplin zu erreichen, die manbenötigt, um das Ego zu kontrollieren. Ich werde bis zu meinem LebensendeMuslim sein, dabei darf ich mich niemals in Sicherheit wiegen, denn bereitsmorgen kann mich die Sünde wieder einfangen.Insofern kann ich mich nicht identifizieren mit den sogenannten "New bornChrists", die behaupten, gestern gerettet worden und heute schon perfekt zusein.Ich möchte aber betonen, dass ich hier nichts Negatives über andereReligionen sagen möchte, aber der Islam besitzt diese besondere Magie inallen Dingen.Das Leben nach den Regeln des Islam ist für mich sehr einfach, denn esentspricht dem gesunden Menschenverstand. Es ist eine Anleitung, wie manrichtig handelt. Es gibt Engel, die unsere Taten und Absichten aufzeichnen,wobei nur die Absichten von Allah bewertet werden, also ist es wichtig vielegute Absichten zu haben.Allah is mercy, mercy, mercy und darum habe ich das Stück "Mercy"geschrieben.

Wie war die Reaktion der Menschen in Deinem Umfeld, als sie realisierten,dass Du Muslim geworden bist ?

Meine Mutter, die mich katholisch erzogen hat, ist glücklich darüber, dassich einer Religion folge und meinen Glauben an den einen Gott pflege.Um einen klaren Kopf zu bekommen, habe ich mich entschieden, meine alte Bandzu verlassen und einem Leben mit Alkohol und Nikotin den Rücken zu kehren.Meine Entscheidung wurde von den damaligen Bandmitgliedern respektiert undpositiv aufgenommen, wir haben uns im Guten voneinander getrennt.Es hat mir zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten bereitet, mich offen zumIslam zu bekennen und es gibt keine Opposition, die erwähnenswert wäre.Einige meiner Freunde sind mittlerweile auch zum Islam gekommen. Inzwischensind die Hälfte meiner Freunde Muslime.

Nach der Trennung von "House Of Pain", deiner alten Band, hast Du anSUPERNATURAL dem neuen Album von Carlos Santana mitgewirkt, welchessensationelle 9 Grammys eingefahren hat. Wie kam es zurZusammenarbeit?


Eines Tages bekam ich wie aus dem Nichts einen Telefonanruf von Carlos,wobei er mich fragte, ob ich nicht einen Song für sein neues Album habe. Vonda an ging alles sehr schnell.Den Song "Put your lights on" hatte ich zuvor auf der Terasse meines Hausesin den Bergen über der Stadt geschrieben. Inspiriert wurde ich von denLichtern der Stadt, welche bei Sonnenuntergang nach und nach angingen. Wobeiich mir nicht sicher war ob ich das "LA ILAHA IL ALLAH" auch in den Songaufnehmen sollte, denn ich wollte nicht Allah's Worte verkaufen.Aber Carlos liebte diesen Song und wollte ihn unbedingt haben.

Was hat es auf sich mit dem Gerücht, dass SUPERNATURAL aus einemTraum entstanden ist ?


Es ist wahr. Carlos hat mir erzählt, dass er von einem Lichtwesen, einemEngel geträumt hat, welcher ihn aufforderte, mich zu kontaktieren.

Alhamdulillah, dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Möchtest Du zum Abschlussunseren Lesern noch etwas mitteilen ?


Es braucht nicht jemanden wie mich, um den Islam zu verbreiten. Allahbraucht mich nicht zu seiner Verteidigung. Wenn Du Gott suchst, findest duden Islam."Keep your faith"Bewahrt euren Glauben und haltet an der Wahrheit fest.

Lieber Eric vielen Dank für das ausführliche Interview. Mögen tausendeStröme von Allah's Licht jeden Tag in Dein Herz fliessen und Deinen Weg erhellen.